Uni oder FH?

Uni oder FH

Uni oder FH – was ist besser?

Die Bildungslandschaft hat sich in den vergangenen 20 Jahren stark verändert. Das trifft nicht nur auf die schulische Bildung zu. Ebenso haben sich die Hochschulen sehr dynamisch entwickelt und viele neue Angebote sind entstanden. Dazu gehören Fernstudien, berufsbegleitende oder auch Kompaktstudiengänge.

Wir starten in unserem Test einen Schritt vor der Wahl der Art des Studiums mit der Frage, welche Hochschulform eigentlich die bessere Wahl ist: Uni oder FH?


 

Uni oder FH – Geschichte und Zugangsvoraussetzungen

Universität: ein Wort wie aus einer anderen Zeit. Der Anspruch der umfassendsten Bildung für eine privilegierte Schicht. Doch was ist davon geblieben, abgesehen von den in die Jahre gekommenen Bauwerken und den im Halbrund angeordneten Hörsälen?

Dagegen sind Fachhochschulen eine relativ neue Erscheinung, die erst in den 1960er Jahren aufkam. Viele Fachhochschulen entstanden allerdings wesentlich später. Angewandter und praxisorientierter sollte das Studium hier sein.

Dabei unterscheiden sich schon die Voraussetzungen, die zu einem Studium berechtigen. Seit wenigen Jahren kann auch an einer Fachhochschule studieren, wer eine Meisterprüfung abgelegt hat. Für (Fach-)Abiturienten sind häufig Vorpraktika verpflichtend, um den praktischen Aspekt der Ausbildung zu betonen.

Uni oder FH

Neben den altehrwürdigen Universitäten kamen ebenfalls ab den 1960er Jahren weitere hinzu. Oftmals wurden dazu bestehende Einrichtungen umgewandelt und bspw. pädagogische Hochschulen zu Universitäten ausgebaut, so wie Ingenieurschulen zu Fachhochschulen erweitert wurden.

Ursprünglich musste für die Aufnahme eines universitären Studiums die allgemeine Hochschulreife (Abitur) nachgewiesen werden. Mittlerweile sind aber viele Bundesländer dazu übergegangen, davon Ausnahmen zuzulassen.

Neben diesen formalen Anforderungen können die einzelnen Hochschulen den Zugang weiter beschränken, in dem z.B. ein bestimmter Notendurchschnitt (NC) oder Fremdsprachenkenntnisse verlangt werden.


 

Uni vs. FH – was macht den Unterschied aus?

Die beiden Typen von Hochschulen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Die praxisorientierte Ausbildung im engeren Korsett eines eher strikt vorgegebenen Lehrplans auf der einen Seite. Auf der anderen Seite größere Wahlmöglichkeiten und ein breiteres (auch fachübergreifendes) Angebot an Vorlesungen und Seminaren.

Fachhochschulen bilden in erster Linie für die Praxis aus. Daher sind Studiengänge wie Philosophie oder Skandinavistik selten bis gar nicht vertreten. Im Zuge des allgemeingültigen Bildungsanspruchs finden sich solche Angebote an Universitäten.

Dazu gehören auch Studiengänge wie Volkswirtschaftslehre, die einen geringen direkten Anwendungsbezug und einen hohen wissenschaftlichen Anteil haben. Sie findet man nur vereinzelt an Fachhochschulen.

Das Angebot an Fachhochschulen ist also grundsätzlich etwas eingeschränkter. Interessiert man sich nun für ein Fach, das an beiden Hochschulformen angeboten wird, kommt es ein bisschen auf die eigenen Vorlieben und die persönliche Zielsetzung an, wofür man sich schlussendlich entscheidet.

Universitäten – insbesondere die älteren – sind häufig wesentlich größer, haben mehr Studenten und sind unübersichtlicher als Fachhochschulen. Insbesondere der junge Schulabgänger kann sich da schon einmal schnell verloren vorkommen. Mit mehreren Hundert Studenten vollbesetzte Hörsäle sind an Universitäten keine Seltenheit.

Diesen kommt da das überschaubarere, verschulte Konzept der Fachhochschulen eher entgegen. Studiengänge wie Betriebswirtschaft werden zudem praxisorientierter mit Fokus auf die konkrete Anwendung gelehrt und weniger Wert auf das theoretische Gedankengebäude gelegt.

Die Lehrpläne sind in der Regel starrer und Auswahlmöglichkeiten häufig erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Andererseits ist die Lehre im Zuge des Bologna-Prozesses auch an Universitäten standardisierter geworden. Dies gilt im Mindesten für die Bachelor-Studiengänge.


 

Uni oder FH – für wen geeignet?

Wer sich eher theoretisch austoben will, den zieht es mit Sicherheit an die Universität. Deren Ziel ist auch die Heranziehung wissenschaftlichen Nachwuchses. Hier liegt einer weiterer, je nach den eigenen Wunschvorstellungen bedeutender Unterschied.

Für den direkten Einstieg in den Arbeitsmarkt kann allerdings die anwendungsorientierte Lehre an einer Fachhochschule durchaus Sinn machen. Es ist ja längst nicht jedermanns Sache, sich auf theoretischer Ebene über anwendungsfernere Dinge auszutauschen.

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Fachhochschulen sind generell praxisorientierter

Zudem bereiten Fachhochschulen häufig konkret auf ein bestimmtes Berufsfeld vor, während die an einer Universität nicht unbedingt der Fall sein muss. Wer BWL mit Schwerpunkt Handel studiert, landet einfach mit höherer Wahrscheinlichkeit im Einzelhandel als ein Historiker im Museum.

Auch das Lehrpersonal, für das es in der Regel andere Anforderungen gibt als an Universitäten, kommt aus der Praxis. So ist es vielleicht eher möglich, konkrete anwendungsbezogene Probleme zu diskutieren als mit einem Uni-Professor, der noch nie außerhalb der Universität gearbeitet hat.

Fachhochschulen hingegen besitzen im Umkehrschluss weder das Promotions- noch das Habilitationsrecht. Wer seinem Studium eine wissenschaftliche Karriere anschließen will, muss das berücksichtigen. Je nach Branche ist ein Doktortitel auch für die Karriere förderlich.

Mittlerweile haben allerdings viele Fachhochschulen Kooperationen mit Universitäten oder auch ausländischen Einrichtungen mit Promotionsrecht geschlossen. So bedeutet ein Fachhochschulabschluss nicht unbedingt, dass man nicht promovieren kann.

Auch die reguläre Promotion an einer deutschen Universität ist grundsätzlich möglich. Die Promotionsordnungen regeln dann im Einzelfall, welche Leistungen der Fachhochschulabsolvent zu erbringen hat und welche Veranstaltungen er möglichweise noch besuchen muss, bevor er seine Promotion beginnen darf.


 

Uni oder FH – was ist schwerer?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass an der Uni die Themen deutlich tiefer behandelt werden. Das ist kein Wunder, denn ein Universitätsstudium ist bekanntermaßen theoretisch ausgelegt.

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Uni ist theorielastiger und anspruchsvoller

Das bedeutet logischerweise, dass das Studium an der Uni generell anspruchsvoller ist. Man muss die ganze Theorie schon mögen, sonst macht es einem vielleicht nicht ganz so viel Spaß.

Andererseits ist das schulisch orientierte FH-Studium mit festen Vorlesungszeiten und klassenartigen Semestergruppen eher für diejenigen geeignet, die sowieso schon Motivations- und Organisationsmuffel sind. Die Anwesenheitspflichten für eine bestimmte Vorlesung bieten nicht so viele Freiräume bei der Frage, was man mit der Zeit alternativ anstellen könnte.

Generell kann man jedoch sagen, dass das Leben eines FH-Bachelors auch kein Zuckerschlecken ist – es werden nämlich immer mehr Inhalte in den vorhandenen Zeitrahmen gepackt. Da mal ein zusätzlicher Schwerpunkt, hier mal eine kleine Semesterarbeit – und schon hat man kein Problem mehr mit zu viel freier Zeit am Wochenende.


 

Uni oder FH – was sind die Einstiegsgehälter?

Man kann keine pauschale Aussage darüber treffen, wer nach dem Abschluss des Studiums mehr in der Tasche hat. Zu stark sind die Bundesland- und Branchenunterschiede, außerdem kommt es immer noch auf den Einzelfall an.

Laut unterschiedlichen Informationsquellen liegen die durchschnittlichen Einstiegsgehälter aktuell bei etwa 36.000-40.000 € mit FH-Abschluss und bei etwa 40.000-45.000 € mit Uni-Abschluss. Diese Gehaltsangabe sollte man, wie gesagt, nicht als absoluten Maßstab nehmen, sondern sie ist eher als grobe Orientierungsgröße gedacht.

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Denn bei der Gehaltsfrage spielen insbesondere die Unternehmensgröße und die Branche, in der gearbeitet wird, eine entscheidende Rolle. In einer großen Bank wird eben anders bezahlt als in der Finanzabteilung eines kleinen produzierenden Unternehmens in der Automobilzuliefererbranche.

Ein Uni-Abschluss kann besser für den Wechsel nach dem Berufseinstieg geeignet sein – man hat damit bessere Chancen, wenn man sich entscheiden sollte, den Arbeitgeber zu wechseln. Das liegt vor allem daran, dass größere und ältere Einrichtungen besser bekannt sind.

Natürlich darf dabei nicht vergessen werden, dass man bei gleichem Leistungsniveau an einer FH etwas bessere Noten bekommt als an einer Universität. Das gleicht den FH-Nachteil im Hinblick auf Einstiegschancen etwas aus und kann bei der Bewerbung auf einen Masterplatz von Vorteil sein.


 

Was ist denn nun besser – Uni oder FH?

Vorteile Uni:

  • (idealerweise) Vermittlung tiefgreifender Kompetenzen, Probleme jeder Art zu lösen
  • Theoretische und wissenschaftlichere Herangehensweise
  • Möglichkeit, sich später wissenschaftlich weiter zu qualifizieren (Promotion)
  • Größere Freiheiten bei der Kursbelegung
  • Bei älteren Personalverantwortlichen häufig besserer Ruf

 

Vorteile FH:

  • Vermittlung angewandter Problemlösungskompetenzen
  • Praxisnahe Ausbildung für den direkten Berufseinstieg
  • Kleinere, überschaubare Einrichtungen
  • Vielfältigere Zugangswege zum Studium abseits des Abiturs
  • Häufig bessere und für die Anzahl an Studierenden angemessene Ausstattung
  • Struktur der Studiums für Anfänger besser und schneller erkennbar

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Uni vs. FH – mein Testbericht:

Wie haben jetzt die entscheidenden Unterschiede der beiden klassischen Hochschulformen herausgearbeitet. Am Anfang steht aber jedoch immer die Frage, welcher Typ von Student man selbst ist, welche Fächer für einen in Frage kommen, wo man später einmal hin möchte und welche Bedingungen am besten passen.

Ist der direkte Berufseinstieg nach einem BWL-Bachelor das Ziel, so könnte die FH die bessere Wahl sein, da in kurzer Zeit mehr Wert auf die praktische Anwendung und die „Employability“ (Arbeitsmarktgängigkeit) gelegt wird. Ein Uni-Absolvent ohne bisherige Praxisphasen braucht dafür vielleicht ein bisschen länger.

Ist eine Karriere als Chemiker in einem großen Pharmakonzern angestrebt, muss in der Regel eine Promotion nachgewiesen werden. Die kann man zur Zeit lediglich an Universitäten erlangen, die zudem Naturwissenschaften grundlagenforschungsbasiert lehren.

Ein Grund für die Wahl der Hochschulform kann natürlich auch sein, dass das angestrebte Fach bzw. der resultierende Beruf an einer Universität oder Fachhochschule gar nicht angeboten wird. Angehende Lehrer bspw. können nur an Universitäten entsprechende Angebote finden. Ausnahmen sind vereinzelt Studiengänge für das Lehramt an Berufskollegs sowie die Ausbildung in Baden-Württemberg.

Überlegt euch also, was ihr studieren und erreichen wollt und welche Bedingungen ihr euch für euer Studium, das ja viele Jahre dauert, wünscht. Die Entscheidung muss ja auch nicht endgültig sein. Es ist vielfach möglich – wenn auch manchmal nicht einfach – nach einem ersten Abschluss die Hochschulform zu wechseln.

Wie ist eure Erfahrung zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Unis und FHs? Oder steckt ihr gerade mitten in der Entscheidungsfindung? Kommentiert fleißig und schreibt uns eure Fragen.


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